4.2 Psy­chi­sche Gesund­heit

Im Büro­be­reich gibt es ein­zelne Hin­weise auf eine erhöhte Belas­tung durch die Arbeit mit bestimm­ten PC-Anwen­dun­gen und E-Mail-Über­flu­tung. Sicht­bar machen sich die Über­an­stren­gun­gen beson­ders zu den Stoß­zei­ten.

In Stoß­zei­ten merkt man schon, dass häufig mal jemand Kopf­schmer­zen hat oder ein­fach nur aus­ge­brannt ist.“ (Unter­neh­men 4, Inter­view 5)

Dar­über hinaus ist der Pro­zess der Ein­füh­rung der neuen Tech­no­lo­gie mit einem erhöh­ten Arbeits­auf­kom­men und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­auf­wand für die Geschäfts­füh­rung und Beleg­schaft ver­bun­den. Die Befrag­ten spre­chen von einem ange­spann­ten Ver­hält­nis zwi­schen den Abtei­lun­gen, welche für die Umset­zung der Umstel­lung auf das neue System ver­ant­wort­lich sind. Jedoch ver­spre­chen sich die Inter­view­ten eine erheb­li­che Arbeits­er­leich­te­rung und Zeit­er­spar­nis nach dem ggf. erfolg­rei­chen Abschluss des Ver­än­de­rungs­pro­zes­ses und der Ein­ar­bei­tungs­zeit. Eine spür­bare Ver­schie­bung der fach­li­chen sowie Leis­tungs­an­for­de­run­gen an die Beleg­schaft durch die neue Tech­no­lo­gie wird der­zeit nicht ange­nom­men. Die Offen­heit dem digi­ta­len Wandel der Arbeit gegen­über und der Wille sich wei­ter­zu­bil­den wird den­noch erwar­tet. Einer grö­ße­ren Digi­ta­li­sie­rungs­welle stehen die Befrag­ten offen und opti­mis­tisch gegen­über.

Ich stehe den Sachen nicht nega­tiv gegen­über. Man muss es nur so ein biss­chen auf einen zukom­men lassen und begrei­fen.“ (Unter­neh­men 4, Inter­view 3)

Aus den Inter­views wird jedoch eben­falls deut­lich, dass der digi­tale Umbruch der Arbeit für die Geschäfts­füh­rung eine Her­aus­for­de­rung dar­stellt. Es wird über eine Zunahme des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­auf­wan­des mit den Mit­ar­bei­te­rIn­nen in der Zeit der Ein­füh­rung neuer Sys­teme berich­tet. Dabei werden Ver­mitt­lung der Ideen, Zukunfts­vi­sio­nen und der Aus­tausch über den Ein­satz neuer Tech­no­lo­gien als zen­trale Themen genannt.

Man muss sich ja dann irgend­wie doch damit beschäf­ti­gen. Was geht damit? Wie könnte ich das nutzen? Was kostet es mich am Ende? Wer kann es machen? Wer kann es betreuen? Also die Fülle ist schon gestie­gen. […] Was tut sich so auf der Welt tech­nisch? Auf dem Markt? Bei meinen Mit­ar­bei­tern? Und wo ist dann mein Weg da durch?“ (Unter­neh­men 4, Inter­view 6)

Das Thema der psy­chi­schen Belas­tun­gen wird im Unter­neh­men laut den Inter­view­ten nicht offen ange­spro­chen. Jedoch ist es der Geschäfts­füh­rung ein wich­ti­ges Anlie­gen, die Beleg­schaft für dieses Thema zu sen­si­bi­li­sie­ren.

Die trauen sich nicht zu sagen, dass sie ein Knie­pro­blem haben, dann, sage ich Ihnen gleich, dass die nicht kommen werden und sagen: «Ich fühle mich hier psy­chisch über­las­tet». Das ist bisher eine reine Kunst der Vor­ge­setz­ten, mit­zu­krie­gen, dass es so ist und dann in irgend­ei­nem Rahmen zu sagen: «Lass uns da mal dar­über reden.» Das klappt bei uns zum Glück eben sehr gut, weil wir ein sehr gutes Ver­hält­nis unter­ein­an­der haben.“ (Unter­neh­men 4, Inter­view 6)

Aus dem vor­her­ge­hen­den Zitat wird die Bedeu­tung der Rolle eines gesund­heits­för­der­li­chen Füh­rungs­stils deut­lich, der unter ande­rem eine Offen­heit und Auf­merk­sam­keit gegen­über der Beleg­schaft beinhal­tet, um die aktu­elle Stim­mung der Beschäf­tig­ten zu erfas­sen.

Eine anstei­gende Kon­trol­lier­bar­keit der Mit­ar­bei­te­rIn­nen in der Pro­duk­tion, welche mit der neuen Tech­no­lo­gie durch die Daten­spei­che­rung und -nut­zung ver­bun­den sein kann, wird von den Befrag­ten nicht kri­tisch gese­hen.

Also der Gedanke ist jetzt erst­mal nicht, damit aus den Leuten mehr raus­zu­ho­len, aber schon den Pro­zess ein­fach zu ver­ste­hen und zu schauen, warum dauert es denn dort jetzt zum Bei­spiel länger.“ (Unter­neh­men 4, Inter­view 6)

Wenn etwas nicht so läuft, wie es sollte, dann wird das geklärt. Sofort. […] Und wenn ich nach bestem Wissen und Gewis­sen handle, egal in wel­chen Berei­chen des Lebens, dann muss man auch kein schlech­tes Gewis­sen und keine Ängste haben. Da bin ich ent­spannt.“ (Unter­neh­men 4, Inter­view 7)

Ein Weg­fall der Arbeits­plätze durch den digi­ta­len Wandel der Arbeit und damit ver­bun­dene Ängste spie­len in dem befrag­ten Unter­neh­men laut den Inter­views keine Rolle. Zur­zeit befin­det sich die Firma im stän­di­gen Wachs­tum und ist bestrebt die Pro­duk­tion zu stei­gern. Somit werden die vor­han­de­nen Arbeits­plätze erhal­ten und vor­aus­sicht­lich neue, vor allem im IT-Bereich (Daten­aus­wer­tung für die Qua­li­täts­si­che­rung, Ver­net­zung und War­tung digi­ta­ler Sys­teme), ent­ste­hen.

Jetzt muss man nicht sagen: «Jetzt kann ich drei Leute ent­las­sen». Wir können mit der glei­chen Anzahl von Leuten die dop­pelte Menge machen, ohne dass einer mehr arbei­ten muss. Das ist doch die Ziel­set­zung.“ (Unter­neh­men 4, Inter­view 3)

Im befrag­ten Unter­neh­men sind haupt­säch­lich jün­gere Men­schen tätig. Die ältere Beleg­schaft ist vor­wie­gend in der Pro­duk­tion beschäf­tigt. Da in der Fer­ti­gung eine umfang­rei­che Arbeit mit digi­ta­len Medien selbst nach Ein­füh­rung des Scan­sys­tems nicht geplant ist, wird der Umgang mit der Digi­ta­li­sie­rung und den neuen Tech­no­lo­gien für die älte­ren Per­so­nen nicht als bedrü­ckend von den Inter­view­ten ein­ge­schätzt. Nicht­des­to­trotz schlie­ßen die Befrag­ten neue Her­aus­for­de­run­gen der digi­ta­len Arbeit für diese Mit­ar­bei­te­rIn­nen nicht aus. Die jah­re­lange Erfah­rung, die ältere Beschäf­tigte mit­brin­gen, und Wei­ter­bil­dungs­mög­lich­kei­ten im Unter­neh­men werden genutzt, um den Her­aus­for­de­run­gen zu begeg­nen.

Abschlie­ßend ist fest­zu­hal­ten, dass in den Inter­views von einem ange­neh­men Arbeits­klima und respekt­vol­len wie auch hilfs­be­rei­ten Umgang mit­ein­an­der berich­tet wird. Die Befrag­ten geben an, dass sie die Mög­lich­keit haben an aus­ge­wähl­ten Ent­schei­dun­gen zu par­ti­zi­pie­ren und ihre Mei­nung zu äußern.

Es ist wie eine Fami­lie […] Es passt noch jeder auf jeden auf und da wird auch nicht dem ande­ren ein Fehler unter­ge­scho­ben.“ (Unter­neh­men 4, Inter­view 1)