4.3.3. Ent­wer­tung von Erfah­run­gen

Der Aufbau der auto­ma­ti­schen Fer­ti­gungs­stre­cken hat dazu geführt, dass viele ältere Beschäf­tigte nicht in der Lage oder nicht gewillt waren, sich auf die ver­än­dern­den Bedin­gun­gen ein­zu­stel­len und daher das Unter­neh­men ver­las­sen haben. Nach der Inter­pre­ta­tion des Geschäfts­füh­rers, konn­ten diese Mit­ar­bei­ter nicht mit dem tech­no­lo­gi­schen Wandel im Unter­neh­men mit­hal­ten. Ange­sichts der gestie­ge­nen Kom­ple­xi­tät ver­netz­ter Pro­zesse, erweist sich ihr bis­he­ri­ger Erfah­rungs­vor­teil als fragil. Sowohl der Geschäfts­füh­rer als auch der Fer­ti­gungs­lei­ter schil­dern Ver­wei­ge­rungs­hal­tun­gen, die sie auf einen feh­len­den Willen eta­blierte Rou­ti­nen zu ver­än­dern zurück­füh­ren.

Also, ich möchte den Leuten nicht zu nahe treten, aber ich weiß nicht ob es viel­leicht auch was mit dem Alter zu tun hat. ‚Ich hab in seiner Sicht­weise, ich hab das jetzt 30 Jahre so gemacht und es hat funk­tio­niert, warum soll ich das ändern?‘. Den einen Kol­le­gen haben wir ver­lo­ren wo wir damals mit der Mess­ma­schine auf das Palet­ten­sys­tem gegan­gen sind. Das war ein­fach nicht ihm so bei­zu­brin­gen und der hat halt seine Teile in der Maschine gemacht und war der Mei­nung, dass diese Mess­ma­schine Müll ist. (…) Er war ein Top Fräser, kann man nichts sagen. Aber diese Eng­stir­nig­keit, dass er nicht voran wollte hat ihm sozu­sa­gen das Genick gebro­chen. (FL)

Dabei sind es nicht nur fach­li­che Kom­pe­ten­zen, son­dern auch Per­sön­lich­keits­merk­male, die das neue Anfor­de­rungs­pro­fil kenn­zeich­nen. Die Arbeit an den auto­ma­ti­schen Fer­ti­gungs­stre­cken erfor­dert dem Geschäfts­füh­rer zufolge Ver­trauen in die Tech­nik und „psy­chi­sche Robust­heit“. Der Mensch werde „ein Stück weit zum Skla­ven der Maschine und das muss man erst mal aus­hal­ten.“ (GF)