5.1 Folgen für die Art der Arbeit

Betrof­fen von Auto­ma­ti­sie­rung und Digi­ta­li­sie­rung ist die Mehr­heit der Beschäf­tig­ten. Die Art der Auf­ga­ben ändert sich. Viele unter­stüt­zende Tätig­kei­ten bzw. stan­dar­di­sierte Auf­ga­ben ent­fal­len durch die tech­no­lo­gi­schen Lösun­gen. Das All­tags­ge­schäft wird so ver­ein­facht (z. B. Rech­nungs­frei­gabe). Aller­dings fallen Auf­ga­ben wie z. B. Prüf­vor­gänge bei Rech­nun­gen weg. Tea­m­as­sis­ten­ten, die Doku­mente und Pro­zesse vor- und nach­be­rei­tet haben, über­neh­men neue Auf­ga­ben, die in Rich­tung pro­jekt­be­zo­gene Unter­stüt­zung von Event­or­ga­ni­sa­tion und Kom­mu­ni­ka­tion gehen.

Von daher hatten dann Tea­m­as­sis­ten­ten, wenn solche Auf­ga­ben weg­fal­len, aus meiner Sicht immer noch ganz viele andere Auf­ga­ben, die dann zu machen sind, aber sie sind halt nicht mehr so häufig wie­der­keh­rend und stan­dar­di­siert, son­dern solche Leute müssen sich dann eher damit…mit einer neuen Rollenbeschreibung…oder sie müssen sich eine neue Rolle selbst beschrei­ben, mit ihrer Füh­rungs­kraft, mit ihrem Team über­le­gen, was kann mein Bei­trag zum Erfolg sein.“ (Inter­view 4)

Durch die Umset­zung von Auto­ma­ti­sie­rung und Digi­ta­li­sie­rung ent­ste­hen für die Beschäf­tig­ten neue Ein­satz­be­rei­che. So müssen die Auto­ma­ti­sie­rungs­pro­zesse selbst durch die Beschäf­tig­ten eta­bliert und gepflegt werden. Die Auto­ma­ti­sie­rung des Deploy­ment-Pro­zess hat zur Folge, dass Soft­ware nicht mehr manu­ell getes­tet und instal­liert wird, son­dern die Beschäf­tig­ten für die Auto­ma­ti­sie­rung nun Skripte pro­gram­mie­ren müssen. Auf­ga­ben wie Über­wa­chung und Ana­lyse sowie Koor­di­nie­rung von kom­ple­xen Sys­te­men gewin­nen an Bedeu­tung.

Die Tester werden schon noch gebraucht. Aber da ändern sich die Skills zum Bei­spiel. Irgend­ei­ner muss ja die Test­fälle trotz­dem schrei­ben, einer muss sich ja über­le­gen, wie die Auto­ma­ti­sie­rung funk­tio­niert. Es ist typi­scher­weise also nicht so, dass Skills wirk­lich kom­plett über­flüs­sig werden, die ändern sich nur durch die Auto­ma­ti­sie­rung.“ (Inter­view 3)

…es treten Stö­run­gen auf und Ähn­li­ches und durch die höhere Kom­ple­xi­tät ist die Feh­ler­su­che und die wei­tere Opti­mie­rung immer schwe­rer und dauert immer länger.“ (Inter­view 6)

… wir merken aber, diesen Auto­ma­ten dafür zu pro­gram­mie­ren, das kommt nicht irgend­wo­her, der Mit­ar­bei­ter ver­än­dert also seine Arbeit von „ich mache es mit der Hand“ bis zu „ich bin ver­ant­wort­lich für diesen Auto­ma­ten, dass er immer funk­tio­niert, er muss immer gewar­tet werden, der muss ange­passt werden“. Die Auto­ma­ti­sie­rung fällt nicht vom Himmel.“ (Inter­view 6)

Und im Feh­ler­fall, also wir sind uns da sicher oder wir sind froh, wenn 70-80% der Dinge auto­ma­tisch laufen und für die rest­li­chen 20% muss immer noch es einen Men­schen geben, der sich das anguckt. D.h. der muss ana­ly­sie­ren, was ist im Fach­sys­tem schief­ge­gan­gen, warum hat das Ganze hier jetzt nicht funk­tio­niert oder was ist eben bei der Orches­trie­rung, so heißt es, Zusam­men­spiel diese ganzen Sys­teme, was ist dort mög­li­cher­weise schief gegan­gen. D.h. das Wissen wird auf ein neues Level geho­ben. Die Arbeit wird gefühlt bisher dadurch kei­nes­falls weni­ger, eher mehr.“ (Inter­view 6)

Für die Beschäf­tig­ten, die das inzwi­schen aus­ge­la­gerte E-Mail-System betrie­ben haben, fallen die damit ursprüng­lich ver­bun­de­nen Auf­ga­ben weg. Per­spek­ti­visch gilt dies auch für die Betreiber*innen der Tele­fon­an­lage. Aktu­ell erle­ben sie eine Auf­ga­ben­er­wei­te­rung, weil sie zunächst weiter für den Betrieb zustän­dig sind, aber auch einen lang­wie­ri­gen Pro­zess der Suche nach einem geeig­ne­ten Fremd­an­bie­ter ver­ant­wor­ten, zu dem Anfor­de­rungs­ma­nage­ment, Dienst­leis­ter­steue­rung und die Eva­lua­tion des Pro­zes­ses gehö­ren. Auch nach Aus­la­ge­rung der Anlage werden die Dienst­leis­ter wei­ter­hin zu steu­ern sein.

In einem Inter­view wurde die Ein­schät­zung deut­lich, dass früher mehr Generalist*innen gesucht wurden, wäh­rend es heute eher hoch­spe­zia­li­sierte Leute sind, die gebraucht werden.

Arbeit ver­än­dert sich auch in ihrem Tempo: Sie wird immer schnel­ler. Dies liegt zum einen daran, dass Stan­dard­pro­zesse auto­ma­ti­siert laufen. Zum ande­ren ist dies auf die schnel­lere Ver­füg­bar­keit tech­ni­scher Lösun­gen z.B. durch Cloud-Lösun­gen zurück­zu­füh­ren. Die Nut­zung von Cloud-Lösun­gen wie­derum bedeu­tet, dass Pro­gram­mier­auf­ga­ben weg­fal­len, da diese Lösun­gen ja bereits zur Ver­fü­gung gestellt werden. Es muss viel­mehr kon­fi­gu­riert werden. Dies betrifft vor allem die Softwareentwickler*innen.

Die Beschäf­tig­ten können somit immer mehr auf zen­trale Betriebs- und Test­werk­zeuge zurück­grei­fen, die sie für ihre Arbeit nutzen können. Sie ver­wen­den in der Folge weni­ger Zeit auf die Sicher­stel­lung infra­struk­tu­rel­ler Vor­aus­set­zun­gen, son­dern arbei­ten stär­ker und inten­si­ver am Kund*in.