4.1.1 Arbeits­in­halt, Arbeits­auf­gabe

Voll­stän­dig­keit der Auf­gabe, Ent­schei­dungs­spiel­raum, Qua­li­fi­ka­ti­ons­an­for­de­run­gen

Die Befrag­ten berich­ten, dass die Arbeit durch kom­plexe Anfor­de­run­gen gekenn­zeich­net ist und als abwechs­lungs­reich erlebt wird. Die Auf­ga­ben erfor­dern eigen­stän­di­ges, krea­ti­ves Denken und die Fähig­keit zur Pro­blem­lö­sung. Dies gilt vor allem für die Pro­to­ty­pen­ent­wick­lung.

Auf­grund der Unter­neh­mens­größe und fla­chen Hier­ar­chien ist eine hohe Mit­be­stim­mung der Beschäf­tig­ten gege­ben. Trotz bestehen­der Zustän­dig­kei­ten sind die Zugänge nicht strikt gere­gelt, so dass bei­spiels­weise alle Beschäf­tig­ten Zugang zum Lager haben.

Durch die Fusion, die anstei­gende Beschäf­tig­ten­zahl und die stär­kere Digi­ta­li­sie­rung werden durch tech­ni­sche Rege­lun­gen (z. B. über indi­vi­du­elle Logins) die Zugänge und Zustän­dig­kei­ten ein­ge­schränkt, woraus sich eine stär­kere Funk­ti­ons­tei­lung ergibt.

Lern- und Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten sind gege­ben und häufig sogar not­wen­dig. Die Qua­li­fi­ka­ti­ons­er­for­der­nisse werden als hoch beschrie­ben, weil spe­zi­fi­sche Kennt­nisse erfor­der­lich sind.

Die Elek­tro­nik wird zuneh­mend soft­ware­las­tig (Inter­view 4),

was bedeu­tet, dass bereits in der elek­tro­ni­schen Mon­tage Pro­gram­mier­kennt­nisse bzw. ein Ver­ständ­nis der steu­ern­den Soft­ware vor­han­den sein muss. Damit wird die Arbeit in diesem Bereich zuneh­mend anspruchs­voll, Auf­ga­ben gehen über die des tra­di­tio­nel­len Mecha­tro­ni­kers oder Elek­tri­kers hinaus. Ins­ge­samt gibt es eine Ver­schie­bung des Auf­ga­ben­spek­trums von mecha­ni­schen zu elek­tro­ni­schen Auf­ga­ben, d.h. es wird zuneh­mend mit elek­tro­ni­schen Kom­po­nen­ten gear­bei­tet und auch die Zukauf­teile werden immer kom­ple­xer, so dass die Beschäf­tig­ten aller Fer­ti­gungs­be­rei­che spe­zi­elle Kennt­nisse erwer­ben müssen. Beson­ders die Mitarbeiter*innen im Ser­vice müssen hoch qua­li­fi­ziert sein. Hier besteht die Her­aus­for­de­rung auch darin, dem brei­ten Pro­dukt­spek­trum gerecht zu werden:

Man kann nicht jede Maschine bis ins Detail kennen. Aber wenn man so eine Maschine vor sich hat, muss man halt zuse­hen, dass man dann den Fehler findet. Was kann man aus­schlie­ßen, welche sind die vor- oder nach­ge­la­ger­ten Pro­zesse, wo hakt es denn jetzt wirk­lich? Das Grund­ver­ständ­nis muss da sein. (Inter­view 6)

Ent­wick­lungs­er­for­der­nisse erga­ben sich bei­spiels­weise aus der seit 2015 auf­ge­nom­me­nen Pro­duk­tion von frei­fah­ren­den Robo­tern, die (z.B. durch den Einbau von Laser­scan­nern) im Ver­gleich zur Pro­duk­tion schie­nen­ge­bun­de­ner Robo­ter mit Neue­run­gen in Bezug auf die Soft­ware, Mon­tage, Inbe­trieb­nahme und den Ser­vice ver­bun­den war und damit ver­än­derte Anfor­de­run­gen an die Beschäf­tig­ten dieser Berei­che stellt.

Auch die Ein­füh­rung der Soft­ware SAP im Jahr 2009 erfor­derte einen hohen Schu­lungs­auf­wand für die Beschäf­tig­ten. Zu Beginn stieß die Neue­rung auf Ableh­nung und der Nutzen dieser musste deut­lich gemacht werden. Inzwi­schen sind die Vor­be­halte ver­schwun­den, die Vor­teile des Sys­tems wurden erkannt, wie z.B. die Reduk­tion der Feh­ler­häu­fig­keit. Gleich­zei­tig wird aber auch berich­tet, dass die Beschäf­tig­ten eine zuneh­mende Abhän­gig­keit von der Tech­nik erle­ben.

Die Schu­lung auf SAP wird für die Beschäf­tig­ten von Unter­neh­men 1b im Zuge der Fusion eben­falls rele­vant. Dazu kommt, dass die Buch­hal­tung im fusio­nier­ten Unter­neh­men inter­ner Bestand­teil des Unter­neh­mens wird, was nur bei einem der Ursprungs­un­ter­neh­men (1b) der Fall war. Dies bedeu­tet einen Schu­lungs­auf­wand für Beschäf­tigte, die neu in die Buch­hal­tung ein­ge­ar­bei­tet werden. Die SAP-Schu­lun­gen, die damit für Mitarbeiter*innen aus beiden Unter­neh­men rele­vant werden, werden sowohl intern als auch extern erfol­gen.

Die Arbeit mit Share­point wird für die Beschäf­tig­ten des Unter­neh­mens 1a neu sein, so dass hier interne Schu­lun­gen erfol­gen werden, vor allem durch Kolleg*innen aus Unter­neh­men 1b, die mit dem System bereits ver­traut sind.

Die Ein­füh­rung des auto­ma­ti­sier­ten Lager­lift­sys­tems wird für die Beschäf­tig­ten im Lager­be­reich den Umgang mit dem digi­tal gesteu­er­ten Bedien­ter­mi­nal erfor­der­lich machen, über den die Teile ein- und aus­ge­la­gert werden.

Die genann­ten Qua­li­fi­zie­rungs­be­darfe ent­ste­hen aus betrieb­li­chen Gege­ben­hei­ten und Ver­än­de­run­gen. Die Teil­nah­me­zeit gilt als Arbeits­zeit und die Kosten werden vom Unter­neh­men getra­gen. Dazu gehö­ren bei­spiels­weise pro­dukt­be­zo­gene Schu­lun­gen bei den Zulie­fer­fir­men zu Bau­tei­len, die im Unter­neh­men ver­baut werden (z.B. Robo­ter­arme). Erwei­terte Qua­li­fi­ka­tio­nen sind bei­spiels­weise im Bereich der Elek­tro­tech­nik erfor­der­lich, so dass hier Schu­lun­gen ange­bo­ten werden. Mit­un­ter kommt es vor, dass Beschäf­tigte von der Elek­tro­mon­tage in den Bereich Inbetriebnahme/Service wech­seln, in dem die tech­ni­schen Anfor­de­run­gen noch höher sind, so dass eine Wei­ter­qua­li­fi­zie­rung erfor­der­lich ist. Dar­über hinaus bilden sich Beschäf­tigte frei­wil­lig neben ihrer regu­lä­ren Arbeits­zeit weiter, zum Bei­spiel im Abend­stu­dium (zum Techniker*in) oder in IHK-Kursen (zum Betriebswirt*in, Fachwirt*in). Das Unter­neh­men unter­stützt diese neben­be­ruf­li­chen Wei­ter­qua­li­fi­ka­tio­nen zum Teil finan­zi­ell (z.B. bei sehr guten Prü­fungs­leis­tun­gen) sowie durch die Ermög­li­chung der Kurs­teil­nahme, indem den Beschäf­tig­ten die ent­spre­chende zeit­li­che Fle­xi­bi­li­tät gewähr­leis­tet wird.

Die Zunahme inter­na­tio­na­ler Kunden macht Qua­li­fi­zie­rung auch im Bereich der Fremd­spra­chen nötig. Es wird aktu­ell ein Eng­lisch­kurs ange­bo­ten.

Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten und Qua­li­fi­zie­rungs­er­for­der­nisse erge­ben sich aber nicht nur durch tech­no­lo­gi­schen Wandel, son­dern auch durch die Fusion, mit der Ver­än­de­run­gen von Struk­tu­ren, Pro­zes­sen, Ver­ant­wort­lich­kei­ten und Auf­ga­ben­be­rei­chen ein­her­ge­hen.

Für die Beschäf­tig­ten in Füh­rungs­ebe­nen erge­ben sich auf­grund struk­tu­rel­ler Ver­än­de­run­gen durch die Fusion eben­falls Qua­li­fi­zie­rungs­be­darfe. Die Ein­füh­rung einer zwei­ten Füh­rungs­ebene (zwi­schen Teamleiter*innen der ein­zel­nen Abtei­lun­gen und der Geschäfts­füh­rung) sowie die ver­än­derte Anzahl an Beschäf­tig­ten in den Teams machen Wei­ter­bil­dun­gen zum Thema Mitarbeiter*innenführungen erfor­der­lich.

Grund­sätz­lich wird von den Befrag­ten erwar­tet, dass zukünf­tig die Ein­ar­bei­tung in neue Arbeits­mit­tel oder tech­ni­sche Hilfs­mit­tel erfor­der­lich sein wird.

Information(sangebot)

Geschil­dert wird, dass viele Infor­ma­tio­nen über Email wei­ter­ge­ge­ben werden. All­ge­mein wird eine Zunahme des Email-Auf­kom­mens wahr­ge­nom­men – es taucht der Begriff der Email-Flut auf. Es wird ange­strebt, kurze per­sön­li­che Tref­fen wieder stär­ker zu for­cie­ren. Im Umgang mit Email muss ein Umden­ken der Beschäf­tig­ten dahin­ge­hend erfol­gen, dass z.B. der Ver­tei­ler­kreis geziel­ter aus­ge­wählt werden muss, um unnö­tige Emails zu ver­mei­den.

Die Nut­zung von Soft­ware ermög­licht es, leich­ter und schnel­ler an Infor­ma­tio­nen zu kommen. So kann bei­spiels­weise in der Pro­duk­tion der Stand einer Bestel­lung von Zulie­fer­tei­len direkt ein­ge­se­hen werden, ohne dafür die Beschäf­tig­ten des Ein­kaufs in die Sta­tus­ab­frage ein­zu­bin­den.