Fallstudienkonferenz am 6. April 2017 – „Praxis und Gestaltung digital vernetzter Arbeitsprozesse“

In Jena am 6.4.2017, 9-15 Uhr

Veranstaltungsort: Paradies-Café, Vor dem Neutor 5, 07743 Jena


Ziele der Tagung

  1. Vermittlung von vorhandenem Praxiswissen:
    Diskussion erster Erfahrungen der AGS-Organisation in Vorreiter-Unternehmen (Fallstudien) insbes. für die KMU in den projektadressierten Pionierbranchen (Ziel-gruppe: Arbeitsgestalter und Arbeitsschützer, Betriebsärzte und Präventionsge-stalter aus KMU und Vorreiterunternehmen
  2. Austausch über die Verallgemeinerbarkeit der Vorreitererfahrungen:
    Reflektion und Prüfung der Praxiserkenntnisse auf Transferpotenzial (Zielgruppe: Expert/innen aus Beiratskontext, künftige Präventionsallianzen, Technologienetz-werke)
  3. Thesen zur Gestaltbarkeit von neuen Technologien, Arbeit und Belastungen:
    Projekt in Debatte mit anderen Wissenschaftler/innen (Zielgruppe: Arbeits- und Industriesoziologie, Arbeitswissenschaftler, AO-Psychologie)

Digitalisierung, Arbeit, Gesundheit

Wachstumsimpuls Digitalisierung

Innovative Branchen wie die Halbleiterindustrie, Windenergiebranche und optische Industrie setzen Impulse für Wachstum und bieten neue Beschäftigungschancen. Das Potenzial ist eng mit der Digitalisierung von Produktions- und Dienstleistungsprozessen verknüpft, die sich in Pionierbranchen in zweifacher Hinsicht vollziehen: Einerseits investieren die Betriebe in die Erneuerung eigener Technik, Organisations- und Produktionsprozesse. Andererseits spielen diese Branchen eine wichtige Rolle als Zulieferer für die so genannte Industrie 4.0 und die digitale Transformation anderer Sektoren.

Gestaltung von Arbeit im Fokus

Mit dem technologischen Wandel gehen arbeitsinhaltliche Veränderungen, personelle und qualifikatorische Anpassungen sowie ein (bisher ungebrochen) hoher Fachkräftebedarf einher. Die betriebliche Personalpolitik und der Arbeits- und Gesundheitsschutz sind deshalb in besonderer Weise gefordert, wie Arbeitsplätze attraktiv, entwicklungsförderlich, gesunderhaltend zu gestalten sind. Dabei haben gerade die klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) der Pionierbranchen nicht immer genügend Spielraum, z. B. in Form eigener Sicherheitsfachkräfte oder Gesundheitsschutzroutinen. Die Belastungssituation für die Beschäftigten ändert sich jedoch durch neue Technologien: Die Diskussion im Betrieb dreht sich zunehmend um Themen wie gesteigerter Leistungs- und Zeitdruck, Arbeitsverdichtung, Über- und Unterforderung, Monotonie, die Entgrenzung der Arbeitszeit u.a.

Im Unterschied zu vernetzten Maschinen können Menschen den Online-Status nicht dauerhaft aufrechterhalten. Tun sie es doch, gefährden sie ihre Gesundheit. Für die personell schlank aufgestellten Betriebe der Pionierbranchen erhöht sich das Risiko, im Wettbewerb das Nachsehen zu haben, wenn sie die vernetzten Arbeitsprozesse nicht gesundheitsgerecht gestalten.

Erfahrungen sichern, Belastungsrisiken senken, Entlastungspotenziale nutzen

Die Tagung beschäftigt sich mit den neuen Chancen für eine gesundheitsgerechte Gestaltung sowie mit den Ent- und den Belastungen in der Arbeit, wie sie in Vorreiterunternehmen der Industrie 4.0 sichtbar werden. Ziel ist es, Hinweise für die betriebliche Praxis zu gewinnen. Dafür werden wertvolle Einblicke in Vorreiterunternehmen genutzt.

Die Diskussion exemplarischer Betriebsfälle und ihre Verallgemeinerung wird durch das Format einer Arbeitstagung zur Sicherung und Weiterentwicklung erster Zwischenergebnisse aus dem GAP-Projekt möglich. Hier treffen KMU auf Vorreiterunternehmen, Geschäftsführer auf Arbeitsgestalter, Unternehmensnetzwerker auf Politiker, Wissenschaftler auf Praktiker.

Wir freuen uns auf Ihre Anmeldungen, Beiträge zum Thema und kritischen Diskussionen.

Wir begrüßen Sie herzlich in Jena!


Programm (aktualisiert am 04.04.2017)

9.00 Tagungsauftakt (Thomas Engel, FSU Jena)
9.30 Digital vernetzte Arbeitsprozesse und ihre gesundheitliche Gestaltung

(Moderation: Martin Ehrlich, FSU Jena)
Fallstudie 1: Automobilbau (Thomas Engel, FSU Jena)
Zwei Schritte vor, einer zurück:
Verbesserte Arbeitsbedingungen im kundengesteuerten Automobilbau?
(kommentiert von: Ingo Böttger & Jens Möncher, Betriebräte, OPEL Eisenach)
Fallstudie 2: Halbleiterbranche (Dr. Stephanie Drössler, TU Dresden)
Automatisierung der Halbleiterproduktion:
Vom Handling zum Monitoring
(kommentiert von: Sylvio Schinke, FABMATICS Dresden)

11.00 Kaffeepause
11.15 Fallstudie 3: Flugzeugbau (Prof. Christian Erfurth, EAH Jena)

Gesündere Wartung durch bessere Daten?
Ein Digitalisierungsprojekt im Flugzeugbau
Fallstudie 4: Handwerk (Dr. Jan Vitera, Universität Greifswald)
Was wird aus der Hand im Handwerk?
Veränderte Anforderungen aus Kundenvernetzung und Robotisierung

12.45 Mittagspause
13.15 Podiumsdiskussion: Permanente Belastungen? Neue Entlastungspotenziale?

Frischer Gestaltungswind? (Moderation: Dr. Florian Butollo, FSU Jena)
mit dem Unternehmer Dr. Martin Schilling (3D-Schilling, Sondershausen), den Geschäftsführern der Technologienetzwerke Silicon Saxony (Gitta Haupold, Dresden) und OptoNet (Thomas Bauer, Jena), dem Projektsekretär im Ressort Arbeitsgestaltung und Gesundheitsschutz beim Vorstand der IG Metall Lion Salomon (Frankfurt a.M.) und dem Arbeitsmediziner Prof. Andreas Seidler (TU Dresden)

14.15 Kurze Kaffeepause
14.20 Auf dem Weg zur Prävention 4.0?

(Moderation: Thomas Engel, FSU Jena)
Vortrag von Dr. Erich Latniak & Dr. Anja Gerlmaier (IAQ Duisburg)
Abschlussdiskussion: Gesundheitsgerechte Organisationsgestaltung in der Digitalisierung

15.00 Ende der Veranstaltung


Kontakt bei Fragen oder Anregungen: 03641-945592 oder -945529